„Formal geht es mir darum, wie Material, Farben und Formen organisierbar sind, was sie erzählen, was sie können und wie sie als energetische Konstrukte mehr als Wahrheiten darstellen.

Die Rhythmik der sich überlappenden Formen, die Wiederholung der wesentlichen Leitform, birgt einen Reiz in sich, der essentiell ist für meine Arbeit. Das Gegenständliche lässt sich abstrakt lesen und die emotionalen Eigenschaften von Form, Linie und Farbe treten in den Fokus. Die Farbe als strukturbildende und strukturzeigende Methode spielt eine große Rolle, sie fragt nicht nach dem Material und erlaubt Unabhängigkeit von einer Kategorisierung des Motivs.

Ich kombiniere verschiedene Techniken, die alle gleichberechtigt sind, auch in der Einflussnahme auf das Ergebnis. Das erhöht die Inszenierungsfähigkeit des Bildes, die Fähigkeit zur Transformation. Innerhalb der klaren thematischen Formulierung spiele ich mit dem Überschreiten der Bildgrenzen, die Bildmotive sind fragmentiert. Wo ein Fragment ist, also ein Bruchstück, stellt sich die Frage nach dem Ganzen. Die individuelle Antwort darauf, der Raum für die persönliche Interpretation, ist der Subtext, der dem Fragment innewohnt, der alle Freiräume gibt das Ungesagte zu hören und das nicht Gezeigte zu sehen.“

 


"Gefüge", 2020, Susanne Mutert
"Gefüge", 2020, Susanne Mutert
"Gebilde", 2020, Susanne Mutert
"Gebilde", 2020, Susanne Mutert
STRUCTURAL CHANGE, Susanne Mutert, 2020
STRUCTURAL CHANGE, Susanne Mutert, 2020

STRUCTURAL CHANGE

Die Inspiration zu meinen Arbeiten "Gefüge", "Gebilde" und "Gestalt" waren die herausgerissenen Fensterrahmen der ehemaligen St. Barbara Kaserne, dem „ Casino“ in Dülmen, dem ehemals größten Artilleriestandort der Bundeswehr in NRW, Deutschland. Entsorgte Zeitzeugnisse authentischen Lebens zeugen vom Transformationsprozess, der dem Umnutzungsprozess der Bausubstanz voran geht. Im Inneren des skelettierten Gebäudes liegen dessen Fragmente,  geordnet nach Material und ursprünglicher Bestimmung, in einer Unzahl, in Haufen und Bergen, zur Entsorgung geschichtet. Von der früheren strengen Ordnung zum Chaos entwickeln diese baustofflichen Überreste, Bruchstücke und Relikte einer vergangenen Zeit, durch Ihr Erscheinen in der Menge, in der vielfachen ungeordneten Überlagerung, die räumliche Illusion einer Art bühnenhaften Inszenierung. Der Abbruch ermöglicht temporär die Entstehung eines gänzlich neuen und vergänglichen Gebildes, Gefüges. Die symbolische Wirkung dieses temporären Gebildes und sein vielschichtiger Symbolismus in Bezug auf große geschichtliche Herausforderungen, hinterlassen einen dauerhaften Eindruck in einer sich verändernden Welt.

"Gestalt", 2020, Susanne Mutert
"Gestalt", 2020, Susanne Mutert

BRANCH OUT

Charakteristisch für einen Baum ist das Auftreten von Verzweigungen. Es gibt jedoch keine typischen Raumpunkte, an denen Verzweigungen auftreten müssen. An welcher Stelle sich ein Ast verzweigt, scheint dem Zufall überlassen zu sein. Die Architektur eines Baumes entsteht aus den Schritten der Entwicklung, die die vorhandenen Freiräume nutzt, um zur letztendlichen Gestalt zu kommen. Aus der Farbmasse wachsen wilde Verästelungen, Verzweigungen und Verflechtungen. Werden und Vergehen mit all den Phasen, wie Entwicklung, Störung, Aktivität, Abbau und Latenz, machen den Baum zu einer idealen Metapher für Lebenszyklen.

"Branch Out 1", 2020, Susanne Mutert
"Branch Out 1", 2020, Susanne Mutert
"Branch Out 2", 2020, Susanne Mutert
"Branch Out 2", 2020, Susanne Mutert
"Branch Out 3", Susanne Mutert, 2020
"Branch Out 3", Susanne Mutert, 2020
"Branch Out 4", Susanne Mutert, 2020
"Branch Out 4", Susanne Mutert, 2020
Branch Out 4, Susanne Mutert, 2020
Branch Out 4, Susanne Mutert, 2020

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